Die Lebensdauer von Gebäuden, Bauteilen, funktionalen Einheiten und Baustoffen beeinflusst in hohem Maß die ökologische Gebäudequalität. Sie ist daher ein wichtiger Meilenstein in der ökologischen Lebenszyklusanalyse von Gebäuden.
Die derzeit verfügbaren Lebensdauerdaten liegen meistens in Form von Lebens- bzw. Nutzungsdauertabellen mit ,,Von-Bis-Werten” für eine begrenzte Auswahl an Bauprodukten vor und basieren auf Erfahrungswerten von Sachverständigen bzw. Gebäudebewirtschaftern. Aufgrund der großen Unterschiede zwischen den in der Literatur veröffentlichten Lebensdauerangaben für Bauprodukte und Bauteile sowie der Fülle von schwer quantifizierbaren Einflussfaktoren herrscht derzeit große Unsicherheit bezüglich der Festlegung der voraussichtlichen Lebensdauer.
Die konstruktive Optimierung von Gebäuden in Abhängigkeit der jeweiligen Produktlebensdauern ermöglicht es, Instandhaltungsmaßnahmen mit geringstem ökologischem und ökonomischem Aufwand durchführen zu können.
In Projekt 02 wurde ein allgemeines Alterungsmodell entwickelt, mit dem die Lebensdauer von Bauprodukten in Abhängigkeit von der jeweiligen Einbaubedingung abgeschätzt werden kann. Mit dem Modell lassen sich jedoch nur planmäßige Einwirkungen erfassen, Katastropheneinwirkungen oder Anwendungen im Rahmen von Risikobewertungen sind damit nicht möglich. Kernstück des Alterungsmodells sind die sogenannten „Faktorwerte“, mit welchen von der Referenzlebensdauer auf die voraussichtliche Lebensdauer umgerechnet werden kann. Die Faktorwerte müssen pro Bauteil bzw. Schichtgruppe ermittelt werden. Ihnen zu Grunde liegen bauteilrelevante Einflussfaktoren, die gemäß den Faktorklassen der ISO 15686 untergliedert sind. Mit realistischen Annahmen für die Lebensdauer lässt sich der Nutzen langlebiger, robuster Bauprodukte besser quantifizieren und in der Gebäude- und Immobilienbewertung transparent und nachvollziehbar darstellen.

