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OI3-Index (Projekt 03 und Projekt 06)

Dienstag, 12. Januar 2010

Rechnen sich die Investitionen in eine verbesserte thermische Qualität der Gebäudehülle auch ökologisch oder verursachen die dafür erforderlichen Materialien mehr Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen als man damit jemals einspart? Diese Frage beschäftigte vor Jahren unter anderem die Wohnbauförderstellen. Ein möglichst einfach handhabbarer Indikator sollte über die in der Herstellungsphase der Baustoffe verursachten Umweltwirkungen eine quantitative Aussage treffen. Daraufhin wurde vom Österreichischen Institut für Baubiologie und –ökologie in Anlehnung an die Ökobilanzierung der OI3-Index entwickelt. Drei Umweltwirkungen wurden ausgewählt, die auch einen Vergleich mit den durch reduzierte Beheizung vermiedenen Emissionen ermöglichen: das Treibhauspotenzial GWP, das Versäuerungspotenzial AP und der Primärenergieinhalt nicht erneuerbar PEI n.e. Diese Auswahl ist also historisch begründbar, wissenschaftlich aber nicht ausreichend fundiert. Da alle bewerteten Umweltwirkungen auf Verbrennungsprozessen beruhen, besteht die Gefahr einer Mehrfachbewertung einer Umweltwirkung.

Die Bilanzgrenzen des in den Wohnbauförderungen verwendeten OI3TGH beschränken sich räumlich auf die thermische Gebäudehülle bzw. zeitlich auf die Herstellung der Baustoffe im Zuge der Gebäudeerrichtung. Um dem Anspruch einer Ökobilanzierung näher zu kommen, sollte der OI3-Index in „Nachhaltigkeit massiv“ für die Anwendung in TQB um die räumlichen und zeitlichen Bilanzgrenzen sowie eine weitere Umweltwirkung erweitert werden.

Das Österreichische Institut für Baubiologie und –ökologie verfolgte die „Erweiterung des OI3-Index um die Nutzungsdauer von Baustoffen und Bauteilen“ (P03) mit einer nach eigenen Angaben aktualisierten und dokumentierten Zusammenstellung von Referenz-Nutzungsdauern für alle relevanten Baustoffe und Bauteile in typischen Einbausituationen. Aus diesen Referenz-Nutzungsdauern lassen sich Austauschraten ableiten, die in einem bestimmten Betrachtungszeitrum – beispielsweise 100 Jahre für Wohngebäude – gegeben sind und die im OI3-Index berücksichtigt werden können.

Die räumliche Erweiterung des OI3-Index erfasst über die bisher mit dem Energieausweis berücksichtigte thermische Hülle des Gebäudes hinaus folgende Bereiche:

  • Sämtliche Zwischen- und Trenndecken des Gebäudes, zzgl. der Stiegen und Stiegenpodeste und Lifteinhausungen
  • Sämtliche Innen- und Trennwände des Gebäudes
  • Die Keller-/Tiefgeschoße außerhalb der thermischen Hülle samt ihren Innen- und Trennwänden

Vorerst wird aus Effizienzgründen von der Erfassung der technischen Gebäudeausrüstung abgesehen. Wenn diesbezüglich Produktinventare mit entsprechenden Umweltindikatoren vorliegen, kann künftig auch die technische Gebäudeausrichtung mitbilanziert werden.
Der Vergleich von OI3-Bewertungen am Beispiel des Geschoßwohnbaus Utendorfgasse (Passivhaus) in Wien zeigt die Unterschiede der Bewertungen mit unterschiedlichen Bilanzgrenzen für die ausgeführte Stahlbetonbauweise sowie für zwei simulierte Varianten. Während im derzeitigen OI3-Index eine Holzmassivbauvariante einen rund 50 % besseren OI3-Index ergeben würde, reduziert sich der Unterschied mit den erweiterten Bilanzgrenzen und unter Berücksichtigung des Austauschs von Bauteilen im Lebenszyklus auf rund 10 %. Die Transporte der Baustoffe ab Werkstor sind dabei noch nicht berücksichtigt.