Artikel-Schlagworte: „Gebäudebewertung“

Workshop “Nachhaltigkeit massiv”

Donnerstag, 4. Februar 2010

Donnerstag, 18. Februar 2010, 14 – 17 Uhr, Messezentrum Wien

Im Rahmen des BauZ!-Kongresses findet am 18.02.2010 von 14 bis 17 Uhr der Workshop „Soziale und ökonomische Indikatoren für Planungsentscheidungen“ der Forschungsinitiative „Nachhaltigkeit massiv“ statt. Schlüsselfragen dabei sind, wie soziale Aspekte bei Veränderungen im Baubestand berücksichtigt werden können und welche Indikatoren des nachhaltigen Bauens den Marktwert von Gebäuden in welcher Weise beeinflussen.

Download – Einladung und weitere Informationen (pdf, 120 kb)

Bilder von der Veranstaltung

Fotos: © ÖGUT

Soziale Aspekte (Projekt 13)

Dienstag, 12. Januar 2010

Sowohl nationale als auch internationale Gebäudebewertungssysteme erheben den Anspruch, auch soziale Aspekte des Baubereichs in eine umfassende Gebäudebewertung einzubeziehen. Wirklich handhabbar erscheinen die derzeit dafür vorhandenen Ansätze jedoch noch nicht. Im Projekt 13 wurden die Grundlagen für die Integration sozialer Aspekte in baurelevante Nachhaltigkeitstools aufbereitet.

Bisher sind soziale Aspekte meist im Zusammenhang mit Nutzerkomfort in Gebäudebewertungen integriert, womit Zufriedenheit mit der Wohnsituation erreicht werden soll. Diese Herangehensweise ist argumentierbar, denn mangelnde Wohnzufriedenheit hat Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit; zum Beispiel wenn Teile der Bevölkerung eines wenig attraktiven Stadtteiles ins Umland abwandern, damit zur Zersiedlung beitragen und zusätzliche Verkehrsströme verursachen.

Folgt man der Idee der Lebenszyklusanalyse auch in der sozialen Dimension der Nachhaltigkeit, dann sind die sozialen Auswirkungen in einer umfassenderen Weise zu eruieren, so wie es bei den ökologischen Auswirkungen bereits getan wird.
Ein Social Life Cycle Assessment (SLCA) eines Gebäudes beschreibt die sozialen Belastungen aller Produkte, bezogen auf die funktionale Einheit des Gebäudes: Belastungen, die während der Bauphase, der Nutzung und beim Abbruch auftreten. Bei einer SLCA sind neben den NutzerInnen der Gebäude auch weitere Betroffene zu berücksichtigen. In der im Projekt 13 entwickelten Systematik werden diese in drei Gruppen zusammengefasst: NutzerInnen, Nachbarschaft und Gesellschaft. In „Nachhaltigkeit massiv“ wurde auf Grundlage der dargestellten Systematisierung untersucht, für welche Aspekte sich Indikatoren zur Beurteilung der sozialen Nachhaltigkeit im Bauwesen ableiten lassen bzw. welcher Spielraum für Indikatoren vorhanden ist.
Die Projektergebnisse stellen eine umfassende Sammlung von Informationen zum Thema dar und vergleichen die sozialen Kriterien in verschiedenen Gebäudebewertungssystemen. Mit der erarbeiteten Systematisierung leistete das Projekt bereits einen wesentlichen Beitrag zum Framework Document im europäischen Normenausschuss CEN TC350/WG5. Darüber hinaus wurden die sozialen Kriterien im TQB weiterentwickelt.

TQB (Projekt 15)

Dienstag, 12. Januar 2010

Die mit dem Abschluss von „Nachhaltigkeit massiv“ vorliegende Neufassung des Gebäudebewertungssystems Total Quality Building (TQB) versucht, wesentliche Ergebnisse aus den einzelnen Projekten in Form von Qualitätskriterien zu berücksichtigen. Mit TQB werden auch die Gebäudebewertungen klima:aktiv Gebäudestandard und IBO-Ökopass zu einem abgestimmten österreichischen Bewertungssystem zusammengeführt. Dabei soll darauf hingewiesen werden, dass die Operationalisierung von Forschungsergebnissen für ein auf Effizienz und Praxistauglichkeit ausgerichtetes Instrument wie TQB eine große Herausforderung darstellt.

Ein wesentlicher Schwachpunkt des Vorgängers TQ war die Kommunizierbarkeit der Ergebnisse. Die neue Version TQB benutzt wie klima:aktiv ein 1.000-Punktesystem. Die Bewertungskategorien wurden auf insgesamt fünf übergeordnete, gleich gewichtete Themen reduziert: Standort und Ausstattung, Wirtschaftlichkeit und technische Objektqualität, Energie und Versorgung, Gesundheit und Komfort sowie Ressourceneffizienz.
Mit TQB werden folgende Ergebnisse aus „Nachhaltigkeit massiv“ berücksichtigt: Die Kriterien „Thermischer Komfort im Sommer“ und „Erfassung der Lebenszykluskosten“ können operationalisiert und damit implementiert werden. Ergebnisse aus dem Projekt 13 „Strategien und Konzepte zur Integration sozialer Aspekte in baurelevante Nachhaltigkeitstools“ werden in den Kategorien Gesundheit und Komfort, Wirtschaftlichkeit sowie Standort und Ausstattung berücksichtigt. Die Bewertung der Entsorgungseigenschaften erfolgt vorerst durch einen einfachen Entsorgungsindikator (mit Entsorgungs- und Recyclingeigenschaften gewichtetes Volumen der im Objekt eingesetzten Baustoffe bzw. Bauteile). Als einfach handhabbare Alternative zur aufwändigen Erfassung der Transportwirkungen werden derzeit Punkte für das Kriterium „Regionalität“ vergeben. Grundsätzlich könnte dafür das Transportmodell (Projekt 04) bei Vorlage ausreichender Datengrundlagen berücksichtigt werden.

Auch der in einigen Wohnbauförderungen verwendete OI3-Index wurde im Rahmen von „Nachhaltigkeit massiv“ grundlegend diskutiert. Auch wenn die ExpertInnen in der Forschungsinitiative bezüglich der Methode sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten, steht die Sinnhaftigkeit der Einbeziehung quantifizierbarer Ressourcenindikatoren in die Gebäudebewertung außer Streit.

Studie Gebäudebewertungstools (Projekt 01)

Sonntag, 10. Januar 2010

Ziel des vorgelagerten Projekts 01 war es, aufzuzeigen, in welche Richtung (insbesondere die räumlichen und zeitlichen Bilanzgrenzen betreffend) der OI3-Index erweitert werden soll, wobei vor allem die derzeit absehbare Entwicklung des europäischen Regelwerks im Rahmen des CEN / TC 350 berücksichtigt werden sollte.

Dazu wurde zunächst der Rahmen künftiger ökologischer Bewertungen entsprechend der bevorstehenden europäischen Normung aufgezeigt, welche Umweltwirkungen künftig zu berücksichtigen sind und welche vom OI3-Index in seiner bisherigen Form abgedeckt werden. Als Grundlage für die Analyse wurden zwei Wohnhausanlagen verwendet, welche im Detail durchgeplant, bei der Wohnbauförderung bereits eingereicht und für die detaillierte Massenauszüge verfügbar waren.

Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Betrachtet man ausschließlich die Errichtungsphase, erfasst der OI3-Index in Abhängigkeit vom jeweiligen Indikator zwischen 12 und 25% der quantifizierbaren Umweltwirkungen. Gründe dafür sind vor allem die fehlende Berücksichtigung massenintensiver Bauteile, energieintensiver metallischer Bauprodukte (z.B. technische Gebäudeausrüstung) sowie der Transportprozesse.

Bei Betrachtung der künftig erforderlichen lebenszyklusweiten Umweltwirkungen (also einschließlich Nutzungs- und Beseitigungsphase) erfasst der OI3-Index in seiner derzeitigen Form ja nach Indikator zwischen 2 und 5 % der quantifizierbaren Umweltwirkungen. Gründe dafür sind neben den engen räumlichen Bilanzgrenzen insbesondere die fehlende Berücksichtigung der Umweltwirkungen (Austauschraten, Instandhaltungsaufwand) sowie die nicht erfasst Beseitigungsphase, die allerdings von vergleichsweise geringem Einfluss ist.

Aus diesen Erkenntnissen ist zu folgern, dass ein „OI3-Index neu“ jedenfalls einer Erweiterung sowohl der räumlichen als auch der zeitlichen Systemgrenzen bedarf.

Kurzbewertung (Projekt 09)

Sonntag, 10. Januar 2010

Damit die Vorteile nachhaltiger Gebäude marktwirksam werden, müssen sie in der Immobilienbewertung entsprechend berücksichtigt werden. Der Nutzen muss also quantifiziert, monetarisiert und schließlich auch kommuniziert werden.

Im Bereich der ökonomischen Immobilienbewertung ist derzeit eine steigende Zahl an Bewertungsverfahren zu beobachten. Neben den bisher gängigen Verfahren (Vergleichswert-, Sachwert- und Ertragswertverfahren) nach Liegenschaftsbewertungsgesetz gewinnen zunehmend auch Verfahren aus dem angelsächsischen Raum (Discounted Cash-Flow-Verfahren, Immobilien-Ratingsysteme, hedonische Methoden) an Bedeutung. Die laufenden Normierungs- und Kodifizierungsverfahren bringen jetzt die Chance mit sich, die Grundlagen für eine zukünftig bessere Einbindung von Nachhaltigkeitsthemen in die Liegenschaftsbewertung zu schaffen.

Das Projekt 09 „Technisch-ökologische und humanökologische Indizes als Bewertungsparameter für den Marktwert von Gebäuden“ hat ein Kurzbewertungsverfahren entwickelt, das eine rasche Einschätzung der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Qualitäten bestehender Wohngebäude erlaubt, sich aber dennoch am zentralen Instrument der Forschungsinitiative, dem umfangreichen TQB, orientiert: ein Kriterien- und Indikatorsets für eine rasche Einschätzung

Das Kriterien- und Indikatorset zur Kurzbewertung wurde so zusammengestellt, dass der größte Teil der erforderlichen Daten aus den Planunterlagen und dem Energieausweis entnommen bzw. im Zuge einer Liegenschaftsbegehung erfasst werden kann.

Eine Softwareimplementierung des Kurzbewertungsverfahrens ist in Vorbereitung. Im Zuge der Verknüpfung mit Rauminformationssystemen soll die Erfassung und Bewertung der Standorteigenschaften weitestgehend automatisiert werden.

Das Verfahren enthält eine monetäre Bewertung nachhaltigkeitsorientierter Kriterien. Die hedonische Methode der Preisermittlung beruht darauf, die einzelnen Eigenschaften einer Immobilie untereinander zu vergleichen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine breite Datenbasis mit Angebots- und Transaktionspreisen, um daraus Preise für die einzelnen Eigenschaften ermitteln zu können, deren Summe schließlich den endgültigen Preis der Immobilie ergibt. Widersprüche zwischen dem Kundenwunsch und den Zielen der Nachhaltigkeit können dabei durchaus auftreten. So hat z.B. eine geringe Bebauungsdichte unterschiedliche Auswirkungen auf den Immobilienpreis. Das Vorhandensein von Geräten oder Anlagen zur Raumkühlung wird hier als Indikator für mangelnde Sommertauglichkeit negativ bewertet.

Mit dem Verfahren kann die gewünschte Weiterentwicklung der Immobilienbewertung unterstützt werden. Gelingt es nicht, die Gebäudebewertung zu verändern, dann werden viele Innovationen im Sinn des nachhaltigen Bauens vom Markt nicht wahrgenommen, womit sie auch ökonomisch keinen Wert darstellen würden.

Da das Kurzbewertungsverfahren aufgrund seiner unkomplizierten Handhabung geeignet ist, eine sehr breite Zielgruppe anzusprechen, könnte es als „Einstieg“ in die Gebäudebewertung dienen, d.h. es wäre etwa als frei zugängliches Tool zur Ergänzung bzw. „Vorbewertung“ zu TQB vorstellbar.