Im Bürobau hat derzeit die Nutzungsflexibilität einen besonders hohen Stellenwert. Aus diesem Grund wird der Innenausbau häufig in Leichtbauweise hergestellt, abgehängte Decken und Doppelböden machen auch noch die an sich vorhandene Speichermasse weitgehend thermisch unwirksam. Die Folge sind Büroräume, die im Sommer nur mit einem beträchtlichen Energieaufwand für Kühlung genutzt werden können. In vielen Bürobauten übersteigt der Kühlenergiebedarf den Heizenergiebedarf. Der hohe Strombedarf für Kühlung ist aus Sicht der Nachhaltigkeit besonders ungünstig, da in Hitzeperioden allgemein ein besonders hoher Strombedarf gegeben ist, während das Angebot von Strom aus Wasserkraft aufgrund der geringen Wasserführung der Flüsse niedrig ist.
Neben konstruktiven Maßnahmen können Nachtlüftung und Bauteilaktivierung das Wärmespeichervermögen massiver Bauteile noch besser nutzbar machen.
Das größte Potenzial liegt in der Nutzung der massiven Decke. Bei den Lösungsmöglichkeiten werden auch Aspekte der Beleuchtung sowie der Akustik berücksichtigt. Für Zwischenwände, die niemals verschoben werden müssen, eignen sich Stahlbeton, Ziegel, vorgefertigte Vollgips-Wandbauplatten oder Gipskartonplatten mit integrierten latenten Wärmespeichern (Phase Change Materials). In der Außenwand wird der Einsatz massiver Parapete vorgeschlagen. Bei offenen Büroflächen sollen auch die massiven Bauteile des Gebäudekerns nutzbar gemacht werden. Aufgrund ihrer Oberfläche erscheinen Decke und Boden für die Wärmespeicherung am geeignetsten, gefolgt von Zwischenwänden und der Außenwand.
Eine Bauteilaktivierung kann aufgrund der großen Abstrahlungsflächen mit einer geringen Temperaturdifferenz zwischen Innenraum- und Wassertemperatur der Rohrregister heizen und Beiträge zur Kühlung liefern. Vorlauftemperaturen im Bereich zwischen 19 und 27 ºC sind auch gut geeignet für die Nutzung der Umweltenergie.
Ein Umdenken im Planungsprozess wird gefordert: Integrale Planung und der Einsatz von Gebäudesimulation werden unumgänglich.
Mit der Anwendung der Empfehlungen des im Projekt 07 erarbeiteten Leitfadens entsteht u.a. folgender Nutzen:
- Zusätzliche Geschoße werden durch die Reduktion der Geschoßhöhe möglich (Entfall der abgehängten Decke).
- Ideale Voraussetzungen zur Heizung und Kühlung mittels Bauteilaktivierung
- Gesteigerter Komfort durch temperierte raumabschließende Flächen mit geringem Temperaturunterschied zur Raumlufttemperatur
- Verringerung der Energiekosten
Schlagworte: Bauteilaktivierung, Energieverbrauch, Kühlung, Nutzungsflexibilität, Speichermasse


